Vier von fünf Tonnen

Leserbrief von Jürgen Ruth, Wurster Nordseeküste · 3. Oktober 2026 · Kurzfassung der Ausarbeitung „Zweihundert Jahre Wissen“ (September 2026)

Der Leserbrief

Im November 1965 warnte der wissenschaftliche Beraterstab des amerikanischen Präsidenten erstmals eine Regierung vor der Erwärmung durch Kohlendioxid. Bis dahin hatte die Menschheit rund 360 Milliarden Tonnen davon aus Kohle, Öl und Gas freigesetzt. Bis Ende 2024 waren es gut 1.800 Milliarden Tonnen. Vier von fünf Tonnen kamen also nach der Warnung.

Ich bin Jahrgang 1964. Die Hauptmenge ist in meiner Lebenszeit in die Luft gegangen, nicht im Zeitalter der Dampfmaschine. Bis 1900 waren es gerade 2,5 Prozent der heutigen Menge. Die übliche Erzählung beginnt bei der Industrialisierung und erweckt den Eindruck, die Ursache liege weit zurück. Die Zahlen zeigen etwas anderes.

Am Wissen lag es nicht. 1896 rechnete Arrhenius die Erwärmung erstmals durch. Seit 1958 wird das Kohlendioxid in der Luft gemessen. 1979 nannte der Charney-Bericht 3 Grad Erwärmung bei einer Verdopplung als wahrscheinlichsten Wert. Der Weltklimarat nennt heute denselben Wert.

Warum folgte daraus so wenig? Die Folgen zeigen sich erst Jahrzehnte nach der Ursache. Zweifel wurde seit den achtziger Jahren gezielt verbreitet. Und in vielen Rechenmodellen der Wirtschaft taucht das Klimarisiko der Höhe nach gar nicht auf.

In derselben Zahl steckt aber auch die gute Nachricht. Was in einer Lebenszeit entstanden ist, lässt sich auch in einer Lebenszeit bearbeiten. Anfangen müssen wir, solange die, die es miterlebt haben, noch entscheiden.

Jürgen Ruth, Diplom-Physiker, Wurster Nordseeküste

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Die Belege

Woher die Zahlen stammen

Jede Aussage im Brief hat hier einen eigenen Abschnitt mit Links. „Primär“ heißt: Die Angabe stammt vom Herausgeber der Daten selbst. „Bericht“ heißt: Eine Zeitung, ein Buch oder ein Fachdienst gibt sie wieder. Stand: 3. Oktober 2026.

  1. Im November 1965 legte der wissenschaftliche Beraterstab von US-Präsident Lyndon B. Johnson den Bericht „Restoring the Quality of Our Environment“ vor. Sein Anhang zum Kohlendioxid ist die erste förmliche Warnung an eine Regierung vor einer Klimaänderung durch fossile Brennstoffe.

  2. Kumuliert waren bis 1965 rund 360 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus fossilen Quellen freigesetzt, bis Ende 2023 1.810,5 und bis Ende 2024 1.849,1 Milliarden Tonnen. Damit fallen 80,5 Prozent in die Zeit nach 1965. Bis 1900 waren es 45 Milliarden Tonnen, rund 2,5 Prozent. Abgerufen am 3. Oktober 2026.

  3. Svante Arrhenius berechnete 1896 als Erster, wie stark sich die Erde bei einer Änderung des Kohlendioxidgehalts erwärmt.

  4. Seit 1958 misst die Scripps Institution of Oceanography den Kohlendioxidgehalt der Luft am Mauna Loa fortlaufend (Keeling-Kurve).

  5. Der Charney-Bericht der US-Akademie der Wissenschaften nannte 1979 eine Erwärmung von 1,5 bis 4,5 Grad bei Verdopplung des Kohlendioxids, mit 3 Grad als wahrscheinlichstem Wert. Der Sechste Sachstandsbericht des Weltklimarats (2021) nennt ebenfalls 3 Grad als besten Schätzwert.

  6. Seit den achtziger Jahren wurde Zweifel an den Befunden der Klimaforschung gezielt organisiert.

  7. Die in der Finanzwirtschaft verbreiteten Rechenmodelle bilden die Klimaschäden nur zu einem Bruchteil dessen ab, was die Naturwissenschaft erwarten lässt.

Die Bewertungen im Brief sind meine Meinung. Die Zahlen lassen sich über die Links prüfen.